Mittwoch, 31. März 2010

Wi.n.d in der Bewusstseins-Arena

Als ich sechs Jahre alt war, fing ich Kaulquappen an einem Tümpel. Ich nahm die Tierchen mit nach Hause und baute ihnen ein kleines Paradies. Der Tümpel befand sich auf dem Gelände der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn. Heute bin ich vierzig und Dozent an dieser Hochschule.

Wie man so sagt, kann man sein Leben nur vorwärts leben und nur rückwärts verstehen. Ich betrachte meinen Lebensweg allerdings weniger als eine Entdeckungsreise, auf der ich mal schaue, was der Tag so bringt. Für mich ist mein Lebensweg ein Schöpfungsakt. Wir stehen morgens auf, um den Tag zu erschaffen.

Anstatt zu sagen: „Mal sehen was der Tag mir so bringt“, stehe ich eher mit diesem Satz auf: „So – was kann ich dem Tag denn mal bringen?“

Ich denke, es sind die 10000 kleinen Entscheidungen, die wir treffen, die unser Schicksal ausmachen. Im privaten Leben und in der großen Wirtschaft.

In diesen kleinen Sekunden entscheidet sich unser Leben, und wenn wir am Ende überrascht sind, dass sich Gold oder Pech auf uns ergießt, dann vielleicht nur, weil wir vorher nicht aufmerksam waren, als wir uns so oder so entschieden haben – in diesen kleinen, aber alles entscheidenden Augenblicken.

Ich freue mich, dass ich (ausser als Dozent im berufsbegleitenden Studium der Kunsttherapie) nun auch als Referent und Workshopleiter bei dem Alanus-Ökonomie Symposium Wi.n.d dabei bin.
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Wi.n.d., das steht für „Wirtschaft neu Denken", eine interdisziplinäre Initiative von Studenten der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft.

Im Spannungsfeld von Werten, Idealen, Visionen und der Realität gilt es, die Gegenwart genau wahrzunehmen und aus ihr die Zukunft zu gestalten.

Mein Beitrag wird damit zu tun haben, eine Bewusstseins-Arena zu schaffen. Ganz aus dem Augenblick heraus - und mit dem Potential, welches in den TeilnehmerInnen lebt.
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Was ist eigentlich die Gegenwart die wir wahrnehmen? Und wer ist es, der sie wahrnimmt?

Haben meine persönlichen Entscheidungen eine überpersönliche Bedeutung? Welche Werte schaffen es, durch mein Engagement in die Welt zu kommen? Folge ich Idealen und werde ich selber ein Ideal, dass andere inspiriert?
Werde ich jemals einen Sinn in irgend einer Arbeit finden? Oder läuft es andersherum: Ich finde keinen Sinn heraus, sonder ich gebe Sinn hinein?

Erledigst Du noch, oder unternimmst Du schon? Wie begegnen wir Hindernissen? Sind die Trümmer einer Biografie, vielleicht Bausteine für die Zukunft?

Im Wirtschaftsleben sind wir auf das Miteinander angewiesen. Wie schaffen wir motivierende Zusammenarbeit und authentischen Kontakt? Was berührt uns und was kann sich niemals berühren, weil es EINS ist?

Komm zum Alanus Ökonomie Symposium 2010 nach Alfter, um an zwei intensiven Tagen mit anderen Menschen ein Stück in die Zukunft zu investieren.

Der sechsjährigen Jungen mit den Kaulquappen ist heute vierzig und Dozent. 10000 Dinge haben sich geändert – gibt es auch etwas was immer gleich war? Und was, wenn gerade das die Gegenwart wäre?

Die Bewusstseins-Arena ist eröffnet.

Dienstag, 30. März 2010

04:25:24

Heute Nacht war ich spazieren. Gegen 3 Uhr stand ich auf, zog mich an und ging aufs Feld. Es war ein gerader Weg, den ich ging. Der bleiche, silberblauen Schein des Vollmondes erhellte mir den Weg. Ich sah, was mich langweilt und was mich begeistert.

Mich langweilen Leute, die alte Wahrheiten verteidigen. Ich verehre Menschen, die ewige Wahrheiten erschaffen. Jeden Moment neu.
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Mich langweilen Leuten, die mich herausfordern wollen und dabei über ihre eigenen Füße stolpern.
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Ich bin ein Fan von Menschen, die mir gut tun, die mich bezahlen und beschenken. Und mich langweilen Leute, die das egozentrisch finden.

Ich bin begeistert von Menschen, die locker drauf sind und gleichzeitig aufrecht, lustvoll und intelligent. Ich mag auch Menschen, die nicht intelligent sind. Wenn sie ein großes Herz haben ist das alles was zählt. Große Herzen langweilen mich niemals.
Menschen die wissen, dass es um nichts geht und die darum alles geben – die finde ich cool.

Mich langweilen Leute, die über scheinbare Klischees des Maskulinen und Femininen lästern und im selben Augenblick als Männer versagen und als Frauen verkrampfen.

Ich würdige freie Männer und ich schätze Frauen voller Liebe. Und mich langweilen Leute, die sagen, dass auch Männer liebevoll und Frauen frei sein können. Denn ich interessiere mich erst dann für liebevolle Männer, wenn ich sehe, dass sie frei sind. Und ob Frauen frei sind, dass interessiert mich erst, wenn sie die Liebe selbst sind.

Mich langweilen alle Leute, die sich im Kreis drehen. Ich verehre Menschen, die sich im Kreis drehen und bereit sind, ihren Preis zu bezahlen, um aus dieser Kreis auszusteigen.

Mich langweilen Menschen, die versuchen zu provozieren. Ich habe enormen Respekt vor Menschen, die durch ihre schiere Anwesenheit, und durch das Aussprechen ihrer eigenen & innersten Erfahrung, eine Provokation sind.

An meisten langweile ich mich selber über mich selber. Darum bin ich verschwunden. Heute um 04:25:24 Uhr kam ich zurück. 1 Minute.

Ich. Vollmond.

(Mich langweilen auch die Leute, die solche Texte nicht begreifen. Und ich schätze Menschen, die solche Texte loslassen und ihnen beim davonfliegen ein Träne nachweinen. Diese Tränen langweilen micht nicht.)

Sonntag, 28. März 2010

Alltags-Bodhisattva

Es gibt zwei grundverschiedene Arten dessen, was man soziales Engagement nennt.
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Die eine Art sich zu engagieren und der Evolution zu dienen, resultiert aus der Unfähigkeit, sich selbst anzunehmen. Sie ist voller Ressentiments, eigentlich nur eine verkappte Negativität.

Ganz anders und ganz wunderbar hingegen ist eine Art, deren innerer Ausgangspunkt und motivierenden Kraft, ein mächtiges Gefühl der eigenen Geborgenheit, des Feststehens, des inneren Gerettetseins und der unbesieglichen Fülle des eigenen Daseins und Lebens ist.


Liebe, Opfern & Helfen, ist hier ein spontanes Überfließen der Kräfte, begleitet von Seligkeit und innerster Ruhe.

Wenn Du Dich selber befreit hast, dann ist es Dein gutes Recht, Dich auf das Sofa des Seins zu legen und im Nirvana zu dösen. Niemand wird Dich stören. Weil es niemand gibt, der gestört werden kann.

Du kannst aber auch wieder aufstehen – frei & willig und die "die Rüstung der Geduld“ anlegen und Dich verpflichten, auch andere Menschen zu befreien. Du kannst der Evolution dienen. Als starke und authentische Persönlichkeit. Nirvane wird durch Dich leuchten.

Im Grund ist dies die Haltung des Bodhisattvas.


Man kann das Wort sehr hoch hängen und mystifizieren (was auch ok ist). Ich mag jedoch auch die kreative Art, wie Ken Wilber mit diesem Wort spielt.

„Wir brauchen Bodhisattva-Rechtsanwälte, Bodhisattva-Künstler und -Politiker, Bodhisattva-Ärzte und -Wirtschaftsexperten, Bodhisattva-Lehrer und -Wissenschaftler, Bodhisattva-Techniker und -Ingenieure, Bodhisattvas in allen Bereichen, die auf jeder Stufe und überall in der Gesellschaft bewusst als Kanäle des Mitgefühls und der Weisheit wirken, die daran arbeiten, ihr Bewusstsein und ihr Handeln sowie das anderer zu verwandeln, die in der Gewissheit, von den erleuchteten Wesen unter- stützt zu werden, unermüdlich für die Bewahrung unserer Welt und für eine bessere Zukunft arbeiten.“

Oder wie Teilhard de Chardin sagte: "Wenn wir eines Tages den Wind, die Wogen, die Gezeiten und die Schwerkraft in den Griff bekommen haben...werden wir die Energien der Liebe nutzbar machen. Dann wird der Mensch - zum zweiten Mal in seiner Geschichte - das Feuer entdecken."

Für mich zählen – unter vielen anderen – „Ich & Ich“ zu den Bodhisattva-Künstlern. Wer fällt Euch noch ein? Wo sind die Alltags-Bodhisattvas, die Dich immer wieder erleuchten? Dankst Du ihnen? Dienst Du ihnen? Bist Du selber einer? Benimmst Du Dich auch so?

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Wenn wir uns immer mehr mit den Alltags-Bodhisattva verbinden, dann werden wir eine Struktur erschaffen, eine Kultur der wachen Herzen, die das neu entdeckte Feuer weitertragen kann.


Zum Wohle aller Wesen und zu unserem eigenen Glück!

Samstag, 27. März 2010

Es ist nur eine Einladung


Rudolf Steiner schrieb einmal: „Anstelle Gottes den freien Menschen!!!“ Anschließend packte er den Hammer aus und hämmerte keine Christusstatue aus dem Holz, sondern den Menschheitsrepräsentanten, und auf die Bitte der Pfarrer und Priester entwarf er nicht einen neuen Gottesdienst, sondern eine Menschenweihehandlung, und schließlich schrieb er Das Fünfte Evangelium.

Ein Mensch schreibt ein Evangelium? Hallo! Der Inhalt ist die eine Sache, die Tat eine viel bedeutsamere. Wenn das nicht rockt, dann weiss ich´s nicht...

Sein Handeln war auch Gleichnis. Nicht was er alles Neues macht, war das Gleichnis, sondern dass er alles, was er machte, neu, anders und auf seine Art machte.

Rudolf Steiner: Eine „exotische One-Man-Show“, wie es der Anthroposoph Taja Gut in seinem neusten Buch nennt.
Wer die Vielzahl der geschaffenen Produkte (Landwirtschaft, Kunst, Eurythmie, Kirche usw.) für das Werk hält, hat das Wesentliche verpasst, das Werk ist der Mensch im Prozess, der tut, was er liebt, der Jeder-ist-ein-Künstler-Mensch. Der Mensch, der sich entschieden hat, nicht nur zu kommentieren, sondern zu agieren.
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Wer Anthroposophie als Quelle nutzt, schöpft fraglos aus einem unfassbar tiefen und reichhaltigen Brunnen, der wie eine unversiegbare Quelle wirkt.

Aber Anthroposophie ist von ihrem Wesen her gar keine Quelle, sondern nur eine von vielen, vielen, vielen Möglichkeiten, um selbst zur einen Quelle vorzustoßen, um selbst zur Quelle zu werden, aus der alles Leben strömt. Die Quelle, die das Leben ist...

Wenn Du die Quelle bist, dann strömst, sprudelst und erfrischst Du - einfach so. Da ist kein Drama, kein Ziel und keine Strategie - da ist nur überfließen.
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Wer dann von Dir trinken will der muss sich nur ein wenig beugen, die leeren Hände zu einer Schale öffnen, sie füllen lassen und dann trinken...Es ist eine Einladung. Nicht mehr. Und nicht weniger....
Das Vaterunser – nach Rudolf Steiner - einfach mal locker meditieren:

Vater, der du warst, bist und sein wirst in unser aller innerstem Wesen.
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Dein Wesen wird in uns allen verherrlicht und hochgepriesen.
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Dein Reich erweitert sich in unseren Taten und in unserem Lebenswandel.
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Deinen Willen führen wir in der Betätigung unseres Lebens so aus, wie du, o Vater, ihn in unser innerstes Gemüt gelegt hast.


Die Nahrung des Geistes, das Brot des Lebens, bietest du uns in Überfülle in den wechselnden Zuständen unseres Lebens.
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Laß Ausgleich sein unser Erbarmen an anderen für die Sünden an unserem Wesen begangen.
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Den Versucher, lässest du nicht über das Vermögen unserer Kräfte in uns wirken, da in deinem Wesen keine Versuchung bestehen kann.
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Denn der Versucher ist nur Schein und Täuschung, aus der du, o Vater, uns durch das Licht deiner Erkenntnis herausführst.
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Amen

Freitag, 26. März 2010

Uneingeschränktes "Ja"


„Ich will wissen, ob Du mit Unzulänglichkeiten leben kannst – meiner und Deiner eigenen – und immer noch am Seeufer stehst und der silbrigen Scheibe des Vollmondes ein uneingeschränktes „Ja“ zurufst“. (Oriah Mountain Dreamer)

Einmal – ich saß abends auf einer kleinen Mauer, vor einem der ungezählten Krankenhäuser meiner Jugend und trank eine Cola aus dem Getränkeautomaten der im Aufenthaltsraum der neonbeleuchteten Klinik stand – da ging eine junge Frau an mir vorbei.

Sie trug eine kurzes, weisse Sommerkleid. Das Kleid spannte sich fest um ihren Hintern und die nackten Beine steckten in hochhackigen, roten Schuhen. Ich hatte den Kopf gesenkt und konnte nur diesen Teil der Frau sehen. Mein Blickfeld war eingeschränkt.

Ich sah nur zwei, drei Schritte von diesem Hintern im weisen Kleid und diese Bein in hochhackigen roten Riemchenschuhen.

Doch diese wenigen Schritte genügten. Die dünnen Absätze stachen mitten in mein Herz.

Ein paar Sekunden war ich zornig: „Gott! Hallo! Das ist eine Leid-Zone! Lass, verdammt noch mal, dieses sexy Leben woanders vorbeilaufen! Hier ist kein Platz für Sex, denn hier wohnt Schmerz!!“

Ungerührt von meinem Selbstmitleid und dem daraus resultierenden moralinsauren Zorn, traf mich der nächste Schritt noch tiefer. Der stramme Hintern im weissen Kleid, scheuerte mit elegantem Rhythmus an meiner wunden Seele.

In diesem Moment spürte ich, dass ich eine Gabe hatte. Die Gabe, eine Wunde zu sein, die niemals heilt. Das ist die Gabe, die unser Herz offen lässt.

Heute weiss ich, dass diese Gabe jedem Mensch gegeben ist. Ich weiss auch, dass die Versuchung groß ist, diese Wunde heilen zu wollen. Aber diese Wunde zu schließen, würde bedeuten, sich dem Leben zu verschließen.

Ich ziehe es vor offen für das Leben zu sein. Für den Schmerz und eben gleichzeitig für die Freude. Für die Abgründe und gleichzeitig für die Oberfläche. Für den wachen Geist. Vom Kopf bis in die verführerischen Beine, die unten in roten Schuhen und oben in einem sexy Hintern enden.

In diesem Moment vor der Klinik, teilte mir das Universum, in seiner unverschämten Art mit, dass es nur eine Lektion für mich bereit hält: Das uneingeschränkte „Ja“ zu erlernen. Denn alles, alles erscheint, verweilt und verschwindet in diesem JA.

Diese uneingeschränktes „Ja“ bedeutet aber nicht, dass wir dumm sein müssen und es bedeutet nicht, Unterschiede zu leugnen. Wenn Dein Mann Dich schlägt, dann verlass diesen Mann. Sofort. Und dann sag „Ja“ zum nächsten Mann. Zu einem besseren & edleren Mann.
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Es ist schlau, aus Fehlern zu lernen und aus Schaden klug zu werden – aber wir können nicht gleichzeitig ganz lebendig sein und dabei ganz auf Fehler verzichten.

In den langen und dunklen Zeiten meines Lebens, in denen viel Weinen war und mein Platz am Krankenbett, in der physischer Schmerz meinen Körper beherrschte – in allen diesen Jahren, folgte ich intuitiv einem einzigen Wort: „Ja“. ....
Für dieses „Ja“ können wir uns entscheiden. Einfach so. Plötzlich.
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Es ist ein „Ja“ welches die Schwere eine Klink ebenso umarmt, wie die Leichtigkeit eines sexy Hintern. Mit diesem „Ja“ verpflichten wir uns, die Verantwortung anzunehmen, auch dann für unsere Kinder zu sorgen, wenn wir gerade erst aus einer ekstatischen Nacht erwachen.

Es ist ein „Ja“, welches ein Mysterium umfasst, dass größer ist als wir selber.

„Ich bin dazu geboren, den Drachen zu reiten. Ich bin Teil der Idee, die ich liebe.“ (Oriah Mountain Dreamer)

Donnerstag, 25. März 2010

Entscheidung zum Paradies

Je tiefer Du in Deine Persönlichkeit einsteigst, desto mehr unpersönliches wirst Du finden. Ich kann es auch umdrehen: Je individueller Du Dich betrachtest, desto weniger dringst Du in Deine eigene Tiefe ein.

Dieses seltsame Phänomen ist im Moment des Erwachens eine zentrale und plötzliche Erfahrung. Je tiefer wir in unsere menschliche Seele einsteigen, umso weniger individuell wird sie.

„In der Tiefe beginnen Probleme einander immer stärker zu ähneln, bis sie schließlich überhaupt keine persönlichen Züge mehr haben.“ (Thorwald Dethlefsen).

Unsere Unterschiedlichkeit und unsere jeweilige Einzigartigkeit, ist eine Oberflächenerscheinung – und dort (an der Oberfläche) ist sie eine wunderschöne, herausragende und bewundernswerte Erscheinungsform.

Jeder von uns geht mit seiner jeweiligen Erscheinungsform seine eigenen Wege – als starke und wunderschöne Persönlichkeit. Zum Wohle des Fortschritts und zum Wohle aller Wesen.

Gleichzeitig beschränkt uns diese äussere Erscheinungsform auf bestimmte Rollen.

Wenn Du an Deinen jeweiligen Rollen (Du spielst immer mehrere gleichzeitig) interessiert bist und daran arbeitest, dann kannst Du ein wundervoller, liebenswürdiger und ethischer Mensch werden, der sich immer weiter entwickelt. Das ist die eine Sache und ich unterstütze diese Sache mit Freude.

Eine andere Sache ist es, dort zu erwachen, wo alle Rollen ausrollen. Dort, wo es weder Schöpfung gibt, noch Zerstörung. Dort, wo Dein freier Wille endet, weil ihm kein Schicksal gegenübersteht. Dort wo alle Wege enden, alle Worte, alle Gedanken.

Dort, wo reines Bewusstsein vom Bewusstsein vibriert – in regungsloser Bewegung und vollkommen entspannter Spannung.

Das Erwachen als diese Bewusstsein verlangt nichts mehr – keinerlei Drang oder Notwendigkeit zur Entwicklung oder zum Fortschritt. Aus dieser Freiheit heraus, erwacht die wahre Liebe zur Entwicklung und zum Fortschritt.
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Die hingebungsvollste Liebe zur Welt und allen Wesen, wird in einer Seele geboren, die vollkommen frei von der Welt und unberührt von allen Wesen ist. Je freier Du von der Welt bist, desto mehr Liebe zur Welt kann in Dir erscheinen. (Und es geht auch genau umgekehrt – davon demnächst mehr)

Wenn Du immer tiefer in Deine einzigartige Seele lauschst, dann hörst Du in Dir immer mehr, was Du auch in mir hören kannst...und in Deinen Eltern, einem Elefanten und einer kleinen Frühlingsblume: Freiheit, die nach Liebe klingt...
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Wage den Blick in Deine eigene Tiefe. Wage den Blick über den Rand Deiner Persönlichkeit hinaus. Das Land welches sich vor Dir öffnet, ist unser aller gemeinsames Land. Der Ort, der unsere eigene Essenz ist.

Manche nennen es Paradies – und wenn wir dort bewusst erwachen, dann muss uns keiner mehr zwangsweise von dort vertreiben.

Wir brechen dann jeden Tag freiwillig zur Erde auf, um diese Erde in ein Paradies für alle Wesen zu transformieren.
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Warum? Es gibt dafür keinerlei Grund. Keine Ursache. Keine Notwendigkeit. Keine Erklärung. Wir haben uns einfach dafür entschieden.

Aus Liebe zur Tat. Das ist Macht.

Mittwoch, 24. März 2010

Der Angst-Elefant

Einmal klopfte die Wahrheit an meine Tür und fragte: „Darf ich reinkommen, oder störe ich?“ Ich antwortete: „Du störst nicht nur, du erschütterst meine gesamte Existenz. Sei herzlich willkommen.“ (Nach Eeva Kilipi)

Wenn Du zur Wahrheit erwachen willst, dann wird das zunächst kein aufbauender Vorgang sein, sondern die Erschütterung Deiner gesamten Existenz.

Etwas in Dir - nennen wir es Ego - ist niemals bereit dafür, der Wahrheit die Tür zu öffnen. Niemals. Angst hält die Tür zu.

Die Angst ist riesengroß. Sie ist so schwer und groß wie ein Elefant. Der Angst-Elefant drückt sich mit seiner ganzen Kraft an die Tür.
Elefanten kann man unmöglich schieben – aber Elefanten kann man locken. Was Du also tun kannst, dass ist Deinen Angst-Elefanten ein wenig zu locken.

Mein spiritueller Coach sagte es mir so: „Man lockt den Elefanten, in dem man ihm zu Fressen gibt. Das Fressen, das unser Unterbewusstsein liebt, sind schöne Bilder und Vorstellungen. Eine geniale schöne Vorstellung für den nächsten Tag vor dem Schlafengehen auf ein Blatt Papier geschrieben - und der Elefant bewegt sich ´über Nacht´ in die Richtung dieser Vorstellung.“

Im Grund funktionieren alle Religionen und viele spirituellen Traditionen nach diesem Muster. Sie locken den Elefanten von der Tür weg und irgendwann geht die Tür einfach so - klack- auf und die Wahrheit kann eintreten.

Wenn die Wahrheit dann bei Dir ist, dann blickst Du in Dein ursprüngliches Gesicht – das Gesicht welches war, bevor Du geboren wurdest.

Du blickst Dir zum ersten mal in Deinem ganzen Leben selber in die Augen – das war Dir sonst immer nur über Spiegelbilder möglich. Und dieser unmittelbare Anblick, erschüttert Deine gesamte Existenz....

....so viel Freiheit. So viel Liebe. So viel Leben.

Dienstag, 23. März 2010

My way...

Wenn Du einen spirituellen Weg gehen willst, dann sei Dir bewusst, dass Du niemals einen anderen Weg wählen kannst, als Deinen eigenen Weg. Die Vorstellungen von spirituellen Wegen sind oft unsinnig. Es gibt keinen einzigen spirituellen Weg, der zweimal gegangen werden kann.

Die Idee von geistigen Wegen, führt im spirituellen Kontext oft auf Abwege. Zumindest so lange wir meinen, dass ein und der selbe Weg zweimal begangen werden könnte. Denn die Wege von denen wir sprechen, entstehen von innen nach aussen und weil kein Mensch so ist wie Du, kann Dein Weg niemals mit einem anderen Weg identisch sein. Du kannst nicht den Weg von anderen gehen.

Vor Dir liegt kein spiritueller Weg. Der Weg entsteht aus Dir heraus – insofern gibt es auch keinen falschen Weg. Es gibt einfach nur den Weg, den Du vor Dich legst und er besteht aus Deinen Gedanken, Deinen Gefühlen, Deinen Taten, Deinen Nicht-Taten, Deinem Wissen und Deinem Nicht-Wissen.

Wenn ich vom anthroposophischen Schulungsweg spreche, dann spreche ich von einem Weg, der sich gerade darin auszeichnet, dass er immer nur von einem einzigen Menschen ausgeht. Wenn ich davon spreche, in der Tradition Rudolf Steiners zu stehen, dann bedeutet das nicht, in seiner (Steiners) Tradition zu stehen. Wer in der Tradition Rudolf Steiners steht, steht immer in seiner eigenen Tradition und das ist letztlich eine Tradition ohne Tradition. Eine Tradition unablässiger und kreativer GEGENWÄRTIGKEIT.
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Also: Das Bild des Weges, ist im spirituellen Kontext irreführend. Es gibt keine Wege die Du suchen oder finden kannst. Dein Weg entsteht aus Dir – mit jedem Schritt.

Was es aber sehr wohl gibt, dass sind Wegbegleiter. Wir können nie auf dem selben Weg gehen, aber wir können uns dafür entscheiden mit anderen Menschen eine Weile gemeinsam zu gehen.

Suche Dir Menschen, deren Gedanken, Gefühlen, Erfahrungen, Taten und Weisheit Du aufnehmen kannst. Suche Dir Menschen, die neben Dir gehen, die mit Dir sprechen und von denen Du wirklich etwas lernen kannst – so nimmst Du mit jedem Wort und jeder Bewegung, neues Baumaterial für Deinen eigenen Weg auf. Und erlebe den Reichtum Deiner eigenen Innenwelt. Auch die Trümmer einer Biografie, können in Bausteine für neue Wege umgearbeitet werden.

Das was Du verinnerlichst, das ist Dein Weg den Du später veräusserlichst. Das was Du aufnimmst, wird Dein Weg werden.

Irgendwann wirst Du sagen können: Ich bin meinen Weg gegangen, ich habe getanzt, gekämpft, geopfert. Ich bin gefallen, habe gedacht, gelacht, geweint, gesiegt, verloren und ich habe wirklich etwas Neues in die Welt gebracht – und dann diese erstaunliche Entdeckung: "Ich bin einfach ein vollkommenes Wesen & und das war ich bereits vor dem ersten Schritt meines Weges.“

Und dann erkennst Du, dass diese ganzen Wege, Bewegungen & Fortschritte, in der ungetrennten & bewegungslosen Stille Deines eigenen Herzens stattfanden. Und Du erkennst, dass Du während der ganzen Reise immer Zuhause warst.

Und Du kannst Deine Stimme hören: „Alle meine Wege verliefen in Gottes Herz. So weit ich auch ging, so tief ich auch fiel, so hoch ich auch stieg - ich bin in Gottes Herz“.
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Gott selbst ging Deinen einzigartigen Pfad. So wie Gott auch jeden anderen Weg geht. In sich selbst.
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"Oh“ – sagst Du: „Ich bin der Weg, den Gott geht.“
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Mittwoch, 17. März 2010

Die fantastischen vier Eigenschaften

Vier Eigenschaften sind es, die Rudolf Steiner für den Lehrerberuf als „notwendig“ bezeichnet: Erstens das Weltinteresse. Zweitens den Enthusiasmus. Drittens, die Elastizität des Geistes. Und viertens die Hingabe. Mir erscheinen diese Lehrereigenschaft als universell-notwendige Eigenschaften des Menschsein überhaupt.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann haben Sie (wie ich) Ihre eigenen Erfahrungen mit LehrerInnen und Schulen und mit anderen Menschen – vor allem aber habe wir Erfahrungen mit uns selber. Jeder kann an diesen „Fantastischen 4 Eigenschaften“ selber einmal schauen wie er in der Welt steht.

Wie ist es mit meinem Weltinteresse? Weiss ich welche Bücher gerade gelesen, welche Kino-Filme gesehen und welche Musik gerade gehört wird? Kenne ich die aktuellen Debatten in der Philosophie oder Wissenschaft? Bin ich up to date, was die spirituellen Lehrer und geistigen Evolutionäre zu sagen haben? Weiss ich wie es meinem Nachbarn geht?

Wo ist mein Enthusiasmus? Wann habe ich mich zuletzt so sehr gefreut, dass ich fast geplatzt wäre? Wann entfachte ein Gedanke, eine Idee oder ein Gefühl eine unbeugsame Kraft in mir – zum Wohle aller Wesen? Wann habe ich meine Partnerin oder meinen Partner zuletzt in eine neue Stufe der Gemeinsamkeit mitgerissen? Wann war ich zuletzt – um dem Ursprung des Worte gerecht zu werden – „von Gott erfüllt“?

Wie groß ist die Elastizität meines Geistes? Wann habe ich zuletzt einen Gedanken zum ersten mal gedacht? Wie schwer fällt es mir, das fremde Wollen zu verstehen? Wie sehr gelingt es mir, auch in ganz neue und fremde Ideenwelten einzutauchen? Kann mein Spirit sich in jedem Kontext angemessen verhalten? Ist mein Geist so elastisch, dass er sich selbst beobachten kann?
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Wo ist meine Hingabe? Ist meine Hingabe etwas was Geist, Seele und Körper umfasst? Wem oder was, habe ich mich zuletzt so sehr hingegeben, dass ich die Einheit selbst war? Wie sehr bin ich bereit, mich der Liebe, dem Schmerz und dem Kosmos hinzugeben?

Jeder mag sich seine Fragen stellen – ich habe als Anregung ein paar meiner spontaner Fragen mit Ihnen geteilt und teile dazu gerne einen weiteren Satz Rudolf Steiner mit Ihnen: „Interesse an allem Sein haben, das ist Menschenpflicht."

Ach und noch eine Frage: Wenn auch Anthroposophie ein Wesen sein soll – wie steht es mit dem Weltinteresse, dem Enthusiasmus, der Elastizität des Geistes und der Hingabe dieses Wesens?

In diesem Sinne sehen wir uns vielleicht beim Info3 Stand auf der Leipziger Buchmesse: Halle 5, Stand E401-403.

Freitag, 12. März 2010

Dankbarkeit

Ich bin stolz auf meine Leistungen. Und ich bin mir gleichzeitig bewusst, dass ich fast alles in meinem Leben anderen Menschen verdanke. Dieser Blog zum Beispiel. Klar, ich schreibe hier meine Texte. Aber ich nutze einen Laptop (gebaut von anderen Menschen) und Strom (bereitgestellt von anderen Menschen) und ich sitze auf einem Stuhl (gebaut von anderen Menschen).

Ich könnte eine Liste mit Dingen machen, die ich anderen Menschen verdanke. Sie wäre endlos. Wenn ich mich zum Beispiel hier umschaue, dann bin ich umgeben von den Leistungen anderer Menschen:

Internet, Laptop, Schuhe, Kaffee, WC, Musik, Bücher, Haus, Buddhastatue, Kruzifix, Strom, Straßen, DB (wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich einen Bahnhof), Demokratie, Müllabfuhr, Facebook, Steiner-Foto, Jeans, AQAL, DVD, Bett, GA, Blumenvase...Alles Leistungen anderer Menschen.

Oder dieser Blog. Ich fing hier vor einem Jahr mit ca. 4000 LeserInnen im Monat an und mittlerweile sind es über 7000.

Als Autor muss es mir etwas bedeuten, wenn ich viele Leserinnen und Leser erreiche und gesunder Stolz ist eine schöne Sache. Und dennoch: Ihr helft mir, dass ich mir treu bleibe. Ihr helft mir, mein Versprechen zu halten und „wenn Du öffentlich deine Ideen vertrittst, musst Du Dich bemühen, ihnen entsprechend zu leben“. (Paulo Cohelo, Krieger des Lichts).

Die Kultivierung der Dankbarkeit, bringt uns zur körperlichen und seelischen Gesundheit und führt uns zur spirituellen Wahrheit.

Die immer erneuerte Dankbarkeit gegenüber anderen Menschen – gegenüber allen Generationen der Menschheit bis hin zum Urmenschen – führt zu zwei erstaunlichen und revolutionären Erfahrungen: Zunächst erkennen wir die Getrenntheit und das Rätsel des anderen Menschen. Doch allmählich, nach immer erneuerter Dankbarkeit, stellt sich ein Gefühl der Verbundenheit ein.

Dankbarkeit formt aus dem Rätsel des Gegenüber, das Wunder des Wir. Zwei umarmen sich als das Eine.

Ein Mangel an Wir-Bewusstsein, ist immer ein Mangel an Dankbarkeit. Das gilt im Sozialen, wie auch im Geistigen.

Wenn Du in Deine Dankbarkeit alle Wesen einschließt (und auch die umfasst, die Dir nicht genehm sind – was wäre ich ohne meine Kritiker? Sind Steine im Weg nicht auch Bausteine für eine Treppe?), wenn Tiere, Pflanzen, Mineralien, Sonne und Mond und alle unbekannten Welten in Deine Meditation der Dankbarkeit mit einfließen, dann kann in Dir ein Gefühl der EINHEIT erwachen.

Nichts fördert die seelische und körperliche Gesundheit mehr, als ein Erwachen zu diesem geistigen Gefühl der vollkommenen Einheit aller Wesen, Zeiten und Räume.

Dankbarkeit ist der gesündeste Weg zu diesem Erwachen.


Wenn Dein Wesen aus über 50% Dankbarkeit besteht, dann beginnst Du im Überfluss zu leben. Das ist eine harte und schwer zu schluckende Wahrheit. Aus bewusster und klarer Dankbarkeit, wächst Fülle und die Erkenntnis, dass wir nicht allein, sonder ALL-EIN sind.

Danke für Deine Aufmerksamkeit & Liebe, danke für Dein Geld, Deine Geschenke & für Deine Kritik & Lob & Leistung.
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Danke für die Dankbarkeit - sie ist die Mutter aller Tugenden und Erkenntnisse.

Mittwoch, 10. März 2010

So findest Du Deine Mission

Wie findest Du Deine Mission? Indem Du Dich an etwas ausrichtest, was größer ist als Du selber - etwas, was über Dich hinaus geht. Das ist eigentlich alles. Als Anthroposoph habe ich gelernt, dass kleine Kinder ihr physisches und seelisches Rückgrat am besten entwickeln, wenn sie häufig an hohen Bäumen aufschauen.

Das streckt das körperliche und das seelische Rückgrat. Die Seele hat die Eigenschaft, in etwas hineinwachsen zu wollen. In ihre eigene Zukunft.

Mein ganzes Leben hatte ich das Glück menschliche Vorbilder haben zu dürfen – nicht nur Ideen oder Programme. Nein, wirkliche Menschen.


Menschen, die ich verehrte und denen ich kritiklos diente. Das mag unmodern klingen, aber es stellte sich heraus, dass dies der effektivste Wachstumsmotor für die Seele ist. Von Rudolf Steiner stammt der Hinweis, dass die Bewunderung den Menschen zu den Zielen führt...

Ich nenne diese Menschen „Etappengötter“. Ich suchte ihre Nähe. Ich ahmte ihre Art zu denken und zu sprechen nach. Ich lernte von ihnen und ich investierte mein Geld in die Chance, ihnen immer wieder in Würde zu begegnen. Seit meiner Kindheit habe ich solche Etappengötter – und ich habe sie selbstverständlich heute noch.

Irgendwann wurden sie in mir eine lebendige Stimme, ein Teil meines Wesens und eine Fähigkeit meiner Seele, die ich nun wiederum weitergeben konnte. Jedem dieser Lehrer baute ich einen Altar der Dankbarkeit in meinem Herzen.


Also - eine Möglichkeit: Suche Dir reale Menschen, die weit über Dein momentanes So-Sein hinausgehen. Such Dir Menschen, die von hohen Zielen inspiriert sind und diese auf integre Weise leben. Menschen, die Du bewundern willst und deren Nähe Dich wachsen lässt – das bringt Dich in Deine Mission. (Und solltest Du jetzt denken: „Diese Menschen gibt es nicht, ich bin eigentlich allen voraus.“ Nun, dann habe ich hier einen Tipp: Schau mal unter Narzissmus nach).

Der göttliche Impuls aber, der vor 14 Milliarden Jahren begann und der sich noch immer (genau in diesem Augenblick) in mir und Dir entwickelt – dieser evolutionäre Impuls, will weiter und weiter und weiter...Und so lassen wir die Etappengötter hinter uns.

Aber wenn wir wirklich und nachhaltig ein Diener – und gleichzeitig ein Anführer – dieses Impulses sein wollen, wenn wir wirklich diese Evolution durch uns verwirklichen wollen, dann brauchen wir noch etwas anderes als Etappengötter: Wir brauchen den Horizont-Gott.

Der Horizont-Gott ist immer diese unerreichbare Ferne, der wir uns niemals annähern. Ein „allmächtig-geistig-physisches Gotteswesen, das seinen Geschöpfen vorangeht“ (Steiner) und zu dem wir nur ein einziges Verhältnis haben können: Demütige Hingabe.

Wir merken irgendwann: Diesem Horizont-Gott sind wir nie gewachsen und wir können nur in die Knie gehen und stammelnd beten...beten...beten...

Und dann geschieht das Wunder: Wenn wir ganz am Boden sind, mehr erniedrigt als erhöht, dann wächst uns (vielleicht) eine Kraft zu, die nicht mehr aus unserer Biografie. Nichts, was wir erworben haben, sondern reine Gnade.

Du wirst in einer guten Weise von einem Prozess ergriffen, der unendlich über Deine Person hinausreicht und dennoch aus der Mitte Deines Herzens, aus Deinem eigenen, klaren Geist drängt.

Dem kannst Du nicht mehr ausweichen: „Du kannst nicht außerhalb davon stehen. Du bist der Prozess.“ (Andrew Cohen).

Du erlebst: Ich finde keine Mission – Ich bin Mission.
Wir sind EINE Mission.
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Dies ist eines der drei Gesichter Gottes, denen wir uns ab Freitag in Berlin zuwenden wollen.

Ich freue mich auf Eure kritische und interessierte Teilnahme.

Hier gibts weitere Infos.

Dienstag, 9. März 2010

Vollkommene Verbundenheit

Dies ist eine der schönsten und gleichzeitig eine der gewagtesten Übungen auf dem Weg zu einem erwachten und erfüllten Leben. Die Übung ist in ihrer Einfachheit kaum zu überbieten – und dennoch für viele Menschen ein unüberwindbares Hindernis. Sie besteht nur aus einem einzigen Satz: „Fühle Dich in Liebe mit allem verbunden.“

Mitfühlende Liebe und Verbundenheit mit allen Wesen, das bedeutet tatsächlich, dass Du Dich vollkommen jeder Begegnung hingibst. Du lässt Dich von jedem Wesen und jedem Ereignis soweit öffnen, dass Du ein Tor für die Innenwelt des Anderen wirst. Ein Tor für Gott.


Du gibst den Widerstand & die Kontrolle auf und öffnest Dich so, dass Deine Mitwelt in Dir aufgehen und Dich erfüllen kann.

Oft wird diese heilsame Praxis – die zum Kern der Anthroposophie gehört – gefürchtet und missverstanden.

Man denkt, man müsse seine Abwehrkräfte stärken um in einer kalten, harten und giftigen Welt bestehen zu können. Man denkt, man müsse eine Art seelischen Mundschutz tragen und nur die reine Luft einatmen.

Dabei ist gerade umgekehrt. Wenn wir – sanft und mühelos(!) und nur so viel wie es gut geht(!) – Kälte & Härte & Gift einatmen, dann erwacht unser Herz zu seiner wahren Mission.

Es beginnt sich zu öffnen und zu drehen und beim nächsten Ausatmen, sind wir in der Lage – sanft und mühelos(!) und nur so viel wie es gut geht(!) – Wärme & Weichheit & Reinheit zu vergeben. Wir atmen Fülle aus - für die ganze Welt.

Du wirst durch diese Praxis ein sympathischer Mensch. Sympathie bedeutet „mitempfinden.“

Das Geheimnis dieser vollkommenen Hingabe liegt darin verborgen, dass Du Dich nicht nur für andere öffnest, sondern auch für Dich selber.

Bei jedem Atemzug, atmest Du auch Deinen eigenen Schmerz ein. Dein eigenes Getretensein, Deine Unvollkommenheit, Schwäche und Verwundbarkeit. Und ebenso atmest Du für Dich die Heilung aus.


Du bist Dir selber vollkommen sympathisch. Sympathie für Dich & für alle anderen. „Heilung für mich – Heilung für Dich“ sei Dein atmendes Mantram.

Du öffnest Dich – auch für das Wagnis verletzt zu werden. Wenn Du auf jede Verletzung mit noch mehr Öffnung antwortest, dann wird die letzte Öffnung, die Öffnung zu der reinen, edlen und vollkommenen Liebe sein.

Die Liebe ist das einzige im Universum was nicht wächst – denn sie ist bereits alles was ist, war und sein wird. Es ist im Grunde unmöglich ausserhalb dieser Liebe zu sein. Du bist diese Liebe in Person und Deine Liebe ist die selbe Liebe, die in mir lebt.

Liebe wird nicht. Liebe ist. (Achte bei diesem Lied nicht nur auf die Musik und den Text, sondern auf das Atmen. Nenas Atmen ist Nenas Geheimnis.)

Diese Art der vollkommenen Öffnung, erfüllt Dich mit einer Liebe, die weit über jede persönliche Liebe hinausgeht und dennoch Deine Person umarmt.

Die Welt ist komplex. Die Liebe erfüllt alle Komplexität mit ihrem Licht und ihrer Wärme und es ist überall diese eine Wärme und dieses eine Licht.

Im mitfühlenden Herz, erwacht die Göttlichkeit Deiner Seele.

Montag, 8. März 2010

Keine Beziehung

Dies ist eine der effektivsten, aber auch brutalsten Übungen auf dem Weg zu einem erwachten und freien Leben. Die Übung ist in ihrer Einfachheit kaum zu überbieten – und dennoch für viele Menschen ein unüberwindbares Hindernis. Sie besteht nur aus einem einzigen Satz: „Nimm keine innere Beziehung dazu auf.“

Keine innere Beziehung aufzunehmen, das bedeutet tatsächlich, dass Du darauf verzichtest, eine Beziehung aufzunehmen, zu dem was in Dir selber erscheint. Nicht zu Deinen Gefühlen und nicht zu Deinen Gedanken.

Oft wird diese Praxis – die im anthroposophischen Kontext die Übung des Gleichmuts genannt wird – verwechselt.

Man denkt, man dürfe keine Gefühle oder Gedanken haben, oder müsste frei von Empfindungen wie Mitleid, Trauer, Freude, Lust oder Schmerz sein. Doch darum geht es nicht. Es geht darum, dass alle Gefühle & Gedanken & Bilder & Töne in Dir aufsteigen dürfen, so wie sie eben aufsteigen. Doch Du selber nimmst keine Beziehung dazu auf. Du bist der stille Zeuge, der aufmerksame Beobachter und die stumme Präsenz, in der alle diese Dinge zur Erscheinung kommen und dann wieder verschwinden.

Lasse allen Dinge die gleiche, ruhige und gelassene Aufmerksamkeit zuteil werden – es gibt hier nichts wichtiges oder unwichtig. Nichts ist bedeutsam. Nichts ist unbedeutsam. Alles ist so wie es ist – ohne Wertung.

Zieh einfach alle Etiketten von den Dingen, die vor Dir erscheinen.

Vielleicht magst Du als dieser Zeuge einmal in die Stadt spazieren gehen – vielleicht in eine Kirche. Der Gekreuzigte am Altar, ist dann ebenso ein Objekt, wie es der Dreck an Deinen Füßen ist. Das eine löst diese und das andere jene Gedanken & Gefühle aus – beides sind wieder nur Gedanken & Gefühle, zu denen Du keine Beziehung aufnimmst.

Vielleicht verabredest Du Dich mit Deinem Partner einmal zu einem Date und erlebst den ganzen Abend und die ganze Nacht aus dieser Perspektive. Vielleicht kannst Du eine Stunde so mit Deinen Kindern sein.
...
Vielleicht denkst Du, Dein Partner und Dein Kind würden darunter leiden. Das Gegenteil ist wahr. Verstehe mich nicht falsch: Du sollst nicht kalt sein und ablehnend.

Sei einfach diese stille Präsenz. Tue das Richtige und tue es gut - und wenn Du es falsch machst, dann korrigiere es und gehe weiter.

Handle mitfühlend, aber nimm keine Beziehung zu Deinem Gefühl auf. Handle heldenhaft, aber nimm keine Beziehung zu Deinem Helden und Handeln auf. Sprich kluge Gedanken – aber lass sie ziehen, als wären sie nichts wert. Sei eine Mission – aber fühl Dich nicht so.

Die Welt ist unfassbar Komplex - dasjenige was sich der Welt bewusst ist, ist vollkommene Schlichheit.
...
Sei ganz Du mit allen klaren Gedanken & tiefen Gefühlen & wilden Taten – revolutioniere die Welt und finde Dich selbst – aber bleibe dabei dieses ungeborene Urselbst, dieser tiefe Friede und dieser unbewegte & unberührte Raum der Ewigkeit.

Sei eine herausragende Persönlichkeit – und vergiss dabei, dass Du da bist. Verbessere Dein Karma und lächel dabei über dieses kurzweilige Drama Deiner Existenz. Schau Dir tief in die Augen - und drehe Dir dabei innerlich den Rücken zu.

Sei ganz liebender Mensch auf der Erde – aber erlebe dabei, dass Du ebenso der unbewegte Himmel bist, in dem sich nie etwas ereignet hat. Nicht einmal Friede. Nicht einmal Stille. Nicht einmal Nichts.

Das leere Herz macht Dich zu Buddha.

Sonntag, 7. März 2010

Voice Dialogue & Anthroposophie

Das vergange Seminar in der Schweiz lebt noch als Echo in mir - und das zukünftige in Österreich zieht mich schon an. Der Bogen zwischen lebendiger Anthroposophie und Voice Dialogue hat meine Kollegin Cordula Mears-Frei und mich gleichermassen und über unsere Erwartungen hinaus kraftvoll berührt und überrascht. Eiger, Mönch und Jungfrau haben unsere Reise in die tiefsten Schichten des Maskulinen und Femininen dabei stoisch und herausragend bezeugt.

In diesem Sinne habe ich mit der Initatorin der Voice Dialogue Sommerakademie ein Gespräch geführt - veröffentlicht im Magazin Menschenklang: Was unsere Arbeit unterscheidet und ergänzt, was eigentlich Voice Dialogue ist und welche Beziehung es zur Anthroposophie gibt.

Viel Spaß & Inspiration!

Freitag, 5. März 2010

Man sieht sich

Heute will ich hier ausnahmsweise einmal den Beitrag eines Kollegen veröffentlichen. Info3 Chefredakteur Dr. Jens Heisterkamp schrieb, wie ich finde, einen wirklich schönen Beitrag in dem aktuellen Redaktionstagebuch. Bitte, lieber Kollege:

Ich bekenne, ich bin ein Facebook-Fan. Und wenn es diese Internet-Plattform nicht schon gäbe, man müsse sie erfinden.

Mit kleinen Status-Meldungen ("Was machst Du gerade") hält sich hier eine wachsende Schar von "Freunden" gegenseitig auf dem Laufenden, mal mit mehr alltäglichen, mal mit mehr tiefgründigen Dingen. Vor allem aber werden auf Facebook aktuelle Hinweise auf Zeitungsartikel oder Filme ausgetauscht und oft gleich kommentiert.

Ob man hier über Belanglosigkeiten schnattert oder um lebenswichtige Themen ringt, das hängt natürlich von der Zusammensetzung des jeweiligen Freundeskreises und vom eigenen Einsatz ab.

Man kann stärker in eine Debatte einsteigen, wenn man will, oder auch einfach mal nur ein Häkchen setzen ("gefällt mir") um zwischendurch zu signalisieren, dass man Anteil nimmt.

Die meisten Mitarbeiter von info3 sind inzwischen bei Facebook aktiv, aber ich erfahre durch diese Plattform beispielsweise auch, was die Grundeinkommens-Aktivistin Susanne Wiest in Greifswald heute beschäftigt oder die Leute um das Kulturzentrum "Mitte" in Basel oder was der Karmakonsum-Blogger Christoph Harrach wieder Interessantes ausgegraben hat.

Viele der "Facebook-Freunde" kenne ich auch im "echten Leben" und freue mich, wenn ich von ihnen wieder mal ein kurzes Lebenszeichen empfange. Eine ganze Reihe von Menschen habe ich aber auch erst durch Facebook kennengelernt, wurde durch interessante Kommentare auf sie aufmerksam oder eigene Freunde haben sie mir empfohlen.

Es ist spannend zu sehen, dass hier durch eine technische Plattform die Möglichkeit vorhanden ist, nahezu täglich mit einem großen Netz von Menschen gleichzeitig eine Berührung zu erleben - eine neue Dimension der Kommunikation, aber auch der sozialen Wahrnehmung.

Natürlich gibt es auch Fragen, vor allem: Gehen die Betreiber wirklich verantwortlich mit den Daten um? Ich persönlich finde, dass die Chancen bei weitem überwiegen und habe keine Angst davor, dass jemand aus meinem Facebook-Verhalten seine Schlüsse zieht - soll er nur.

Es gibt übrigens auch "Fan"-Gruppen auf Facebook für bestimmte Institutionen, einzelne Menschen, Projekte oder Produkte. Auch info3 hat inzwischen eine solche Seite - werden Sie doch einfach "Fan", die Registrierung ist einfach und die Nutzung kostenlos. Man sieht sich!

Dienstag, 2. März 2010

HIS Story


Ich weiss, wer er ich im letzten Leben war.
Der SELBE wie in diesem Leben.


Und der SELBE, der genau jetzt in jedem Stein ruht.
Der SELBE, der jetzt in jeder Pflanze wächst.
Der SELBE, der jetzt in jedem Tier fühlt.
Der SELBE, der jetzt in jedem Menschen erwacht.
Immer wieder neu.

Von Kopf bis zum Fuß
Bin ich Gottes Bild,
Vom Herzen bis in die Hände
Fühl' ich Gottes Hauch.
Sprech ich mit dem Munde,
Folg ich Gottes Willen.
Wenn ich Gott erblicke,
Überall, in Mutter, in Vater,
In allen lieben Menschen,
In Tier und Blume,
In Baum und Stein,
Gibt Furcht mir nichts,
Nur Liebe zu allem,
Was um mich ist.
Rudolf Steiner