Mittwoch, 27. Januar 2010

Ein Kommen. Ein Gehen. Ein Wiederkommen.

"Und? - Wie sind sie zur Anthroposophie gekommen?" Nach meiner Erfahrung ist das die Frage Nummer 1, wenn sich Anthroposophen treffen. Und so sehr jede einzelne Geschichte für sich steht, so sehr gibt es doch immer wiederkehrende Motive.

Neben der Waldorfpädagogik, ist es oft die hilfreiche anthroposophische Medizin oder der andere Umgang mit Natur und Kosmos, welcher eine Tür zur Anthroposophie geöffnet haben.

Sehr viele Menschen fanden aber auch dadurch zur Anthroposophie, weil sie bestimmte seelisch-geistige Erfahrungen (sehr oft waren es Krisen) gemacht hatten, die sie nur im Kontext dieser Spiritualität einordnen konnten.

Ich habe Hunderte solcher Geschichten gehört - sie zeugen von der ungebrochenen Attraktivität und nachhaltigen Substanz dieser spirituellen Strömung.

Ich kenne aber auch zunehmend Menschen, die sich eine andere Frage stellen und sie ist es wert, dass wir einen Blick darauf werfen:

"Und? - Wie sind sie von der Anthroposophie weggegangen?"

Hier höre ich ebenfalls wiederkehrende Motive: Die undurchschaubare Menge und Komplexität an Literatur, wird häufig als Grund angeführt, sich nicht länger mit Anthroposophie zu beschäftigen.
steiner
Dann die alleinige und absolutistische Ausrichtung auf Rudolf Steiner als einzigen Impulsgeber für ein spirituelles Leben. Das ist vielen Menschen - zumal in einer so reichen und vielseitigen Zeit - einfach zu anachronistisch.
steiner
Auf Platz Nummer eins für die Gründe der Anthroposophie den Rücken zu kehren, stehen aber die Anthroposophen selber. Die konkreten Menschen werden als "verkopft", "dogmatisch", "abergläubisch" sowie "fortschritts- und lustfeindlich" beschrieben.

Vor allem aber gilt der massive Abstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Zwischenmenschlichen als einer der Hauptgründe, sich von unserer Bewegung zu distanzieren.

Anthroposophen führen als Gegenargument gerne an, dass man streng zwischen "der Anthroposophie" und "den Anthroposophen" unterscheiden müsse.

Da man aber andererseits gerne sagt, dass "Anthroposophie alleine in dem Menschen lebt", verliert dieses Argument doch deutlich an Gewicht.

Wie auch immer - eine spannende Frage.

Neben denen, die kommen und gehen, begegnen mir immer mehr Menschen, die wiederkommen.

Menschen, die lange in Distanz zu Steiners Ideenwelt waren und sich ihr nun erneut interessiert zuwenden - sie erleben, wie Steiners Erben die Erbschaft nicht nur verwalten, sondern investieren.

Durch vertiefte Lebenserfahrungen und neue Kenntnisse aus anderer Weisheitstraditionen können "die Wiederkehrer" nun besser einschätzten, welche Anteile der Anthroposophie originär sind und welche woanders ebenfalls, oder sogar besser zur Geltung kommen.

Diese Menschen bereichern und erweitern unsere geistige Tradition durch neue und unverkrampfte Sichtweisen, kritische Fragen und originelle Antworten.

Macht Spaß.

Sie zeigen uns, dass Anthroposophie ein bedeutsamer, einzigartiger und inspirierender Impuls ist - einer unter anderen.

Gerade diese Menschen prägen zur Zeit unsere Bewegung.
Manche sagen ja, dass Anthroposophie ein lebendiges Wesen sei. Eines kann man ganz sicher über dieses "Wesen" sagen. Es macht, was lebendige Wesen so an sich haben: Es verändert sich.
WESEN
Und dann gehts dem Wesen so wie kleinen Kindern, die nach Jahren ihre alten Verwandten wiedertreffen: "Himmel, was hast Du Dich verändert mein Kind - ich habe Dich gar nicht wiedererkannt." "Tja. So ist das Leben."

Montag, 25. Januar 2010

Die unerwartete Lichtung

Ich glaube, dass man den wirklichen Glauben dann finden kann, wenn man seinen Glauben restlos verloren hat. Nach meiner Erfahrung besteht ein tiefer Sinn darin, sich wirklich zu verlaufen und zu verlieren.

Es gibt eine Lichtung die kannst Du nur erreichen, wenn Du bereit bist Dich zu verlaufen. Tomas Tranströmer würde es die „unerwartete Lichtung“ nennen. Die „unerwartete Lichtung“ liegt mitten im Wald und sie wird nur von dem gefunden, der sich verlaufen hat.

Und wenn Du dort bist, dann weißt Du es. Der Unterschied von einem dichten Wald zu einer Lichtung, ist nicht zu übersehen.

Der Weg zu Deiner eigenen Lichtung, führt gerade nicht über bekannte Schulungswege. Kein einziger spiritueller Schulungsweg führt Dich zu Deiner Lichtung.

Im Grund ist auch Anthroposophie kein Weg zur Lichtung. Die Lichtungen, die man mit Schulungswegen erreichen kann, sind oft genug Lichtungen, die voller Menschen sind, die große Gebäude erbauen, die an Lichtungen erinnern sollen.

Nimm Anthroposophie (und andere spirituelle Bewegungen) als einen guten Wald, damit Du Dich auf gute Weise verirren kannst...um Deine eigen Lichtung zu finden.

Es ist wichtig sich zu gut zu verlaufen. Begrüße diese Erschütterung Deiner Existenz mit weitem Herzen. Verlaufen kann unglücklich machen, aber das muss gar nicht so sein.

Der Weg zu Deiner Lichtung führt über Deine eigene Verirrung – mach einen Spaziergang daraus. Oder einen Kampf. Oder finde Pilze. Oder umarme Bäume, oder entdecke Tiere, oder bau eine Herberge...mach doch was Du willst. Der Wald ist für alle da.

Deine Lichtung aber ist nur für Dich – Du wirst dort alleine sein. Ganz alleine.

Und was findest Du auf dieser Lichtung sonst?

Ich kann Dir sagen, was in allen Weisheitstraditionen von dieser Lichtung erzählt wird. Es gibt unendlich viele Geschichten darüber. Glaube keiner leuchtenden & , strahlenden Geschichte. (Aber verwechsel das nicht damit, dass sie trotzdem wahr sind).

Ich kann Dir sagen, was ich auch auf meiner Lichtung gefunden habe – es ist im Grunde die immer gleiche Geschichte. Glaube nicht, was ich Dir erzähle.

Verliere Deinen Glauben. Verirre Dich auf dem Weg zu Deinem Ziel und lass Dir niemals einreden, dass Verirrte unglücklich sein müssen.

Verliere Deine Ziele. Aber an dem Tag, an dem Du absolut keinerlei Ziele mehr hast, wie kannst Du da noch verirrt sein?

In dem Augenblick, wo Du vollkommen die Zukunft aufgibst, wirst Du ankommen. Wenn Du den Glauben an ein Ziel wirklich verloren hast, wird Dein nächster Schritt, der Schritt auf Deine Lichtung sein.

Du wirst wissen, wenn Du da bist und Du wirst Dich vielleicht wundern. Denn Du bist schon tausend mal über diese Lichtung gegangen. Ach was: Du warst immer nur an diesem einen Ort – aber bitte: Glaube mir das nicht.
LICHTUNG
Verlaufe Dich einfach weiter im Wald. Geh immer tiefer & tiefer & tiefer hinein - was auch immer der Wald heute für Dich ist. Begrüße alles was Dir begegnet und benimm Dich so in diesem Wald, dass andere Verirrte sich darin auf gute Weise verlaufen können. Verlaufe Dich auf Deinem Weg. Zu Deiner unerwarteten Lichtung.

Die unerwartete Lichtung liegt mitten im Wald und sie wird nur von dem gefunden, der sich verlaufen hat.

Freitag, 22. Januar 2010

Menschenklang


In der Schule lernte ich den Satz von Eichendorf: "Schläft ein Lied in allen Dingen,die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort."....Wie klingt ein Mensch der schweigt? Welches Lied singt der Friede, der aus dem Menschen tönt? Wie tönt Bewusstsein? Welchen Sound trägt die Evolution nach vorne? Was ist Dein einzigartiger Klang? Und wie klingt eine ganze Menschheit?

Ich stelle diese Fragen, weil Patrick Blaser aus der Schweiz mich dazu animiert hat. Er und seine Frau Angelika betreiben die Seite MENSCHENKLANG mit vielseitigen Angeboten und Dienstleistungen - und es ist kein Wunder, dass "Mission Mensch" und "Menschenklang" jetzt auch gemeinsam musizieren.

Ich mag den einladenden, seriösen und sehr liebenswürdigen Klang, der aus diesen Menschen kommt. Ich freue mich, Patrick Blaser ein kurzes Interview über meinen Ansichten zur Anthroposophie geben zu können. Hier zu lesen.

Viel Spaß damit.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Gott – jenseits von Mythen & mitten im Leben

Kein anderes Wort verwirrt, spaltet und versöhnt mehr. Kein anderes Wort ist gleichzeitig die Quelle für heillose Kriege, für tiefen Humanismus und für größte Verwirrung. Gott ist dieses Wort, dass zahllose Fragen aufwirft. Die Postmoderne hat ihre Antwort auf diese Frage gefunden: „Frag nicht!“

In unserem Kurs, wollen Matthias Ruff und ich dennoch Fragen und mit Ihnen/Euch und den großen Weisheitstraditionen, zeitgemäße Antworten formulieren. Wir wollen dieses Wort aufklären um uns dem göttlichen Prinzip anzunähren.

Das englische Wort „Enlightenment“ meint zugleich „Erleuchtung“ und „Aufklärung“. Ich bin der Ansicht, dass wir in der Aufklärung unseres kindlichen Glaubens, zu lange einen Fehler gemacht haben:
GEIST
Wir haben mit dem mythologischen Ballast auch das wahre Herz der Religionen über Bord geworfen.

Oder wir halten krampfhaft an alten magisch-mythischen Vorstellungen von geistigen Welten fest, weil wir Angst haben, dass wir eine große Wahrheit verlieren, wenn wir diese überreichen Vorstellungen loslassen.

Aber, wie Jesus sagt, "eher kommt ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. ("Für das Menschliche in uns ist vieles unmöglich, was für den Gott in uns möglich ist." Math.10.25)

In Wirklichkeit öffnet sich hinter allem was wir loslassen nur noch ein weiterer Horizont von Schönheit. Immer klarer. Immer transparenter. Immer freier - und doch eine Herausforderung an unser Verantwortungsgefühl. Denn vielleicht ist das Himmelreich ja nicht das Ziel, sondern die Startlinie...

Das wahre Herz der Religionen ist selber keine Religion. Dieses wahre Herz wollen wir ansprechen – oder: Wir wollen uns von diesem Herz ansprechen lassen. Wach und aufgeklärt.

Wir denken manchmal, dass das Leben als aufgeklärter Mensch, dem Leben als erleuchteter Mensch gegenübersteht. Ich sehe das so: Das Gegenteil ist richtig.

Gerade für Menschen, die mit dem alten-Mann-mit-dem-Bart-Gott abgeschlossen haben und dennoch spirituell geblieben (oder geworden) sind, kann dieser Kurs in Berlin eine Einladung sein.

Aber auch für diejenigen, die gerade erst beginnen sich für Spiritualität zu interessieren aber dabei nicht ihre Rationalität verlieren wollen, ist dieser Kurs gedacht. Ich will, gemeinsam mit Matthias Ruff, den ich als Lehrer und Mensch überaus schätze, ausdrücklich auch die kritischen Geister einladen.

Letztlich ist es ein Wochenende für jeden, der sein Leben in sich zentrieren und es gleichzeitig auf etwas höheres ausrichten will – als fühlendes Wesen in Kommunion mit anderen fühlenden Wesen.

Neben der anthroposophischen Perspektive, wird es unterschiedliche Methoden und Werkzeuge geben: Yogaübungen, Meditation, Vortrag, Dialogische Übungen, Geführtes Zeichnen und die Theorie der "Die drei Gesichter Gottes" nach Ken Wilber.

Wir wollen nicht nur Fragen stellen und Antworten geben – wir hoffen mit Ihnen und Euch ein Wochenende zu gestalten, in dem wir selber zur Frage werden und die Antwort verkörpern.

Freitag, 12. März
Vortrag und Yoga Praxis
19–20 h Körper- und Atemübungen aus dem Yoga & Meditation
20–21 h Vortrag

Samstag, 13. März
Seminar
10–13 h und 15–18 h

Sonntag, 14. März
Seminar
10–13 h

Teilnahmegebühren:
Nur Freitag: 10 Euro
Wochenendseminar (inkl. Vortrag) 150 Euro

Weitere Infos, zu Ort, Person und Anmeldung hier.

Dienstag, 19. Januar 2010

Das Göttliche in die Natur einpflanzen

Bereits nach gut zwei Januarwochen, schaue ich schon wieder sehnsüchtig auf die Bäume an meinem Fenster. Gestern roch es schon ein winziges bisschen nach Frühling – heute wieder nur Nebel. Ich warte darauf, dass die Natur ihr grünes Gesicht zeigt. Ich warte darauf, dass die Bäume mich wieder mit frischem Knospen beglücken, die Luft zur Gartenarbeit lockt und die Sonne meinem Leben neuen Glanz verleiht. Das erwarte ich irgendwie von der Natur.

Doch mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass die Natur etwas von mir erwartet. Und zwar mehr als Biodünger. Mehr als nachhaltige Landwirtschaft und mehr als ökologische Korrektheit. Die Natur will etwas von mir und von uns.

Was könnte das sein? Ausser, dass ich sie nicht quäle (was schon ein riesiger Schritt wäre).

Ich glaube, wir kommen nicht dahinter, wenn wir in der Schönheit der Natur das Höchste sehen. Ich fürchte, wir tun der Natur keinen Gefallen, wenn wir sie als die ewige und unsterbliche Kraftquelle missverstehen.

Vielleicht haben sie den großartigen Film „Avatar“ gesehen. Ein Teil der Botschaft dieses Filmes, deckt sich mit meinen spirituellen Erfahrungen: Die Natur ist ein lebendiger, heiliger, sensibler, kraftvoller und kommunizierender Organismus. Ein lebendiges Wesen - und wir sind die ersten Diener um sie zu schütze und zu pflegen.

Aber die andere subtile Botschaft kann ich nicht unterschreiben:

Natur ist nicht GEIST, sondern Ausdruck des GEISTES. Zwar können wir in der Natur und in der ätherischen und vitalen Sphäre immer mehr von der Idee, von Geist, Gott, Christus, oder kosmischer Energie (wie immer Sie es nennen wollen) erkennen und verstehen – aber die Idee, Geist, Gott, Christus, oder kosmischer Energie (wie immer Sie es nennen wollen), bleibt doch auf immer und ewig auch jenseits aller Dinge.

Geist ist immer auch in, aber immer mehr jenseits der Natur. Die Natur & und die Sonne, sind nicht die höchste Schönheit, sondern die sichtbare Schönheit einer unermesslich höheren und ewigen Schönheit – ungeboren und unsterblich.

Alles was ist, ist in Geist - aber nicht der ganze Geist ist in allem was ist. Weil Geist nicht nur das ist was ist, sondern auch das, was nicht ist.

"Möge die Erde und der Kosmos und alle Welten untergehen, der GEIST leuchtet dennoch in der Leere, nicht entstehend, nicht schwankend in den Welten der erschaffenen Zeit." (Ken Wilber)

Und diese ewige Schönheit, dieser göttliche Glanz – oder mit schlichten Worten – diese EINE Gegenwärtigkeit, sie kann nur durch den Menschen in Natur & und die Sonne fließen. Nur dort ist Geist wach.

Geist schläft im Stein. Geist lebt in der Pflanze. Geist fühlt im Tier - und GEIST erwacht im Menschen.

Der spirituelle Philosoph Ken Wilber berührt Rudolf Steiner, wenn er dazu sagt: „Die Natur ist nicht der Quell dieses Glanzes, sondern ihr Empfänger.“ Und er fordert, dass „dieser Glanz aus dem Einen durch mich strömen und der untergehenden Sonne neunen Glanz“ verleihen möge.

Rudolf Steiner antwortet Ken Wilber: „Das Göttliche, dessen die Naturdinge entbehren, muss ihnen der Mensch selbst einpflanzen, und darin liegt die hohe Aufgabe der Kunst“.

Wie könnte eine Kunst aussehen, die das Göttliche in die Natur einpflanzt?

Gerne nehme ich Ihre eigenen Erfahrungen und individuellen Antworten entgegen und dann können WIR sie teilen (und somit multiplizieren). Ein Teil meiner Antwort ist das obere Werk von Ubbo Enninga.

Das Zitat ist aus dem Vortragsband: Kunst und Kunsterkenntnis

Samstag, 16. Januar 2010

Diskretion wird zur Meditationskraft

In meinem Biologiebuch gibt es klägliche Bilder. Dargestellt sind die Entwicklungsstadien eines Hühnerembryos. Das klägliche ist, dass die Fotoserie aus echt aufgeschnittenen Hühnereiern besteht. Schon drei Tage, nachdem eine Henne ein befruchtetes Ei gelegt hat, sind die ersten Blutäderchen zu erkennen und das Herz des Embryos schlägt. Bald sieht man zwei dunkle Flecken die zu Augen werden und nach acht Tagen haben sich die inneren Organe und der Kopf entwickelt. Am 21. Tag ist es dann soweit.

Das Küken hackt ein Loch in die Schale und schlüpft. Bereits am ersten Tag, war als Potenz alles in dem Hühnerei angelegt, aber die Fotoserie entlarvt was passiert, wenn man die Lebensflamme, zu früh in den Wind hält: Sie erlischt.

Alles was werden will ist als Energie innerhalb dieser Schale enthalten – aber ohne die Schale, wird nichts daraus. Die Schale hält die schützende Spannung aufrecht, grenzt ab und ermöglicht, dass sich aus weicher Formlosigkeit eine konkrete Gestalt entwickelt, die das Leben halten kann.

Die Eierschale weiss, wie man dicht hält.
PSSSST
Ich kenne das Gegenteil und musste erfahren, dass ein lebendiger Gedanke – der groß und kraftvoll hätte werden können – durch zu frühes Aussprechen verstarb. Er flog aus meinem Mund und stürzte ab. So kläglich wie die Embryonen in den aufgeschnittenen Hühnereier lag er da und musste sich gefallen lassen, dass er ausgelacht wurde: „Du willst ein großer Gedanke sein und in den Himmel fliegen? Lächerlich!“

Diskretion ist die Eierschale um unsere Seele. Worüber wir nicht reden können, darüber sollen wir schweigen – wer aber nie das wissende Schweigen lernt, dessen Gedanken, Ideale und heiligen Empfindungen werden zur Frühgeburt.
PSSSSSTTT
Diskretion kann man jederzeit übern. Nicht nur indem man Klatsch und Tratsch meidet, sondern zum Beispiel auch, wenn man nach einem Kinobesuch nicht sofort über das Erlebte spricht. Nicht zu Freunden, aber vielleicht nicht einmal in Gedanken zu sich selber – spannen sie die Eierschale der Diskretion darüber und vertrauen sie darauf, dass sich das Leben seinen Weg bahnt.

Diskretion in Form von Zurückhaltung und Ruh ist kein Widerspruch zu Engagement und Kraft – Rudolf Steiner bringt sie so in Beziehung: „Ich trage Ruhe in mir, ich trage in mir selbst, die Kräfte, die mich stärken.“ Für ihn lebt „die Ruhe als Kraft“ im Menschen. Herbert Witzenmann nennt disretes Schweigen „ein Kräftesammeln.“

Viele Menschen sind genervt, weil sie nicht das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden können. Sie sind immerzu beschäftigt, haben aber trotzdem das Gefühl das Wesentliche nicht zu berühren – Diskretion ist ein Schlüssel zur Lösung dieses Problems.

Die Tugend des wissenden Schweigens, welche selbst das Denken zu Schweigen bringt, führt dazu, dass in uns die ewigen Kräfte gestärkt werden.
PSSSSSTTT
Wer im Sprechen und Denken – und auch im Gefühl – Diskretion und Zurückhaltung übt, der wird allmählich merken, wie das Unwichtige und das Seichte an ihm abtropften. Diskretion kommt von „discernere“ und bedeutet „unterscheiden“.

Das Sortieren von Wichtigem und Unwichtigen. Mit dem Denken lässt sich manchmal schwer das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden – denn das Unwichtige macht sich gerne wichtig. Nur einem hält das Unwichtige nicht stand: Dem Schweigen.
PSSSSSTTT
Am Ende bleibt, was ewig ist: Die Stille.

Durch immer wieder ausgeübte Diskretion wird unser Seeleninhalt so komprimiert, dass sich das was wirklich wichtig ist zu einem explosiven und evolutionären Wesenskern zusammenballt. Wie aus Kohlenstoff durch Druck und Hitze Diamanten werden, so wächst das was in uns als diffuse Möglichkeit lebt durch die Diskretion und Zurückhaltung zu einer wirklichen Fähigkeit.

Die Stille schweigt nicht mehr. Die Stille spricht. Diskretion wird zu Meditationskraft.

Die Meditationskraft wird eine evolutionären Kraft, die mich zum Gestalter über die formlosen Kräften des Ewigen macht – die Kraft der Meditation durchdringt mein Denken und Fühlen und wird in jedem Handgriff sichtbar.

Je stärker sich diese Kraft in mir entfaltet, desto mehr wird mein Alltag von dem durchdrungen, was über diesen Alltag hinaus geht.

Wenn ich aber den trivialen Alltag mit den heiligen Kräften der Bewusstheit und der Liebe durchleuchte – was ist dann noch trivial?

Die Tugend der Diskretion ist das bewusste Schweigen über das, was noch nicht selbstbewusst ist. In der Stille wächst die Kraft und wenn die Zeit reif ist, wird sich das selbstbewusst Leben seinen Weg durch die Eierschale der Diskretion bahnen.

Seien Sie tugendhaft.
PSSSSSTTT
Dies ist eine der zwölf Monatstugenden, die von Rudolf Steiner entwickelt wurden. Du kannst diese Januar/Februar Tugend von heute an, einen Monat meditieren und leben. Schau doch einfach mal, was daraus wächst. Viel Spaß damit.
Der Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift info3. Mit einem Abo hast Du nicht nur alle Artikel, sondern unterstützt auch meine Arbeit. Danke dafür.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Meditation und Evolution

„Ökologisches Gleichgewicht“ – das ist mein Unwort der Dekade. Evolution bezieht ihre Kraft aus dem Ungleichgewicht. Natur kennt keine Stabilität und ein „normales Klima“ gibt es nicht und hat es nie gegeben. Die Natur garantiert uns alles – nur keine Stabilität.

"Wo die Gegensätze als ausgeglichen erlebt werden, da herrscht das Lebenslose, das Tote. Wo Leben ist, da wirkt der unausgeglichene Gegensatz; und das Leben selbst ist die fortdauernde Überwindung, aber zugleich Neuschöpfung von Gegensätzen." Rudolf Steiner

Alles ändert sich immer und radikal - warum sollte zum Beispiel ausgerechnet das Klima auf dem Stand der Dinge eingefroren werden? Das Klima, das Urbild des natürlichen, kosmischen, unberechenbaren und unbeherrschbaren Chaos, soll technisch beherrschbar werden? Etwas was seit jeher, mit oder ohne Mensch, um zehn, zwanzig, dreissig (und mehr) Graden auf und ab ging, soll auf zwei Grad genau festgemauert werden?

Ökologisches Gleichgewicht gibt es nicht und die Vorstellung man könne es erreichen ist eine Mixtur aus Kurzsichtigkeit, Egozentrik und Hybris. Die Vorstellung von "Ökologischem Gleichgewicht" ist Anti-Evolutionär.

Das spirituelle Drama besteht darin, dass Menschen die Ausgeglichenheit, das Gleichgewicht und die absolute Harmonie dort suchen wo sie gerade nicht hingehört: Im Aussen. In der Natur und dem werdenden Leben.

Das was Menschen in dem werdenden Leben suchen ist aber nur im spirituellen Seinsgrund zu finden. Dort lebt die Stille, die Ewigkeit und die Perfektion des friedlichen So-Seins.

Meditation öffnet den Raum zur stillen Ewigkeit - und zeigt Dir auf gesunde Weise, wirklich, tiefe, endlose, unberührte & leere Ausgeglichenheit.

Hier bin ich Zeuge.

Natur dagegen, ist bunte, laute und bewegte Endlichkeit. Ist Bewegung, Kampf, Tanz, Spiel, drängt, saugt, gibt...will mehr, und mehr...

Hier bin ich lebendig.

Meditation gibt Dir den Frieden und die stille Ausgeglichenheit die es in der Natur nur scheinbar gibt. Frieden und Ausgeglichenheit ist nicht das, was die Natur von uns erwartet.

Die Natur erwartet, dass wir Menschen uns ihr als schöpferischer Bruder, als kreative Schwester zuwenden – nicht als Archivare des Bestehenden. Wer will, dass die Natur so bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.

Nur wer verantwortungsvoll zum gestaltenden und prägenden Schöpfungswillen wird, kann die Schöpfung erhalten...indem er sie entwickelt. Die Schöpfung ist ein Auftrag. Die Natur und das ganze Universum geben bei uns ihre Bestellung ab.


Du erwartest eine Bestellung vom Universum? Du wartest auf das Wunder von Gott? Was, wenn Gott seit dem siebten Tag dies zu uns Menschen spräche: "Nicht ihr, ICH warte auf eine Wunder."

Durch Meditation öffnet sich für uns der Friede des Seins– jenseits der Zeit.

Das Fühlen dieses Friedens und dieser absoluten Harmonie, öffnet unsere geistreichen Energiequellen, aus denen wir uns zum erste Diener der Evolution entwickeln können.


Und beides zusammen ist die große Vollkommenheit...
...Spirituelles Gleichgewicht

Mittwoch, 13. Januar 2010

Würde

ÖKOMED meets POTTFICTION - zur Eröffnung der Ruhr.2010 traffen sich rund fünfzig junge Menschen zu einer Guerilla-Meditation in Essen. Das war wohl die größte öffentliche Meditation in Deutschland. Wir sind alle glücklich, Würde, Innerlichkeit, Stille und ein weites Herz, auf so intensive Art und Weise repräsentiert zu haben. Für mich hatte das etwas revolutionäres: Die Würde des Menschen war auf berührende und authentische Weise gegenwärtig. Wir hatten uns entschieden, genau das zu leben. Und die Kraft und Führung dieser Revolution, kommt aus der einen Stille - in jedem von uns. Weitere Termine folgen...Schicke uns eine E-Mail und erhalte den kostenlosen und unverbindlichen ÖKOMED-Newsletter: Oekomed@gmx.org









Fotos: Stefan Stark & Georg Kentrup

Dienstag, 12. Januar 2010

Liebe. Ohne Rücksicht & Vorsicht

Seit wenigen Woche habe ich meine Freude und Freundschaften bei Facebook entdeckt. Eine wunderbare Erfindung. Eine der Facebook-Freundschaften stolperte über meine dortige Aussage, dass Liebe „rücksichtslos“ sei. Warum ist Liebe rücksichtslos?

Rücksicht meint dem Wort nach, dass ich hinter mich schaue. Vorsicht meint dem Wort nach, dass ich vor mich schaue – die Liebe aber schaut nicht zurück und schaut nicht nach vorne.

Die Liebe, die ich meine, ist ausgedehnte Offenheit. Ohne davor und ohne dahinter.

Darum kann Liebe nicht rücksichtsvoll sein. Weil es gar keine Rückseite gibt, auf die Liebe Rücksicht nehmen kann. Darum ist Liebe ohne Vorsicht, weil es kein Vorne gibt, dem sich die Liebe vorsichtig nähert.

Achtsam. Wachsam. Aufmerksam - das kann Liebe sein. Aber Liebe ist ohne Rücksicht.

Behutsam. Bedacht. Sorgsam – das kann Liebe sein. Aber Liebe ist ohne Vorsicht.
LOVE
Unsere Sprache ist voller offener Geheimnisse.

Wenn Du einmal laut den Unterschied der Wörter sprichst und die Worte formst, stimmlich betonst und lebendig einen Ausdruck gibst, dann näherst Du Dich dem, was sie sagen wollen, dann hörst Du den Unterschied.

Der Unterschied zwischen der Liebe die behutsam, bedacht, sorgsam ist...oder der Liebe, die vorsichtig ist.

Der Unterschied zwischen der Liebe die achtsam, wachsam, aufmerksam ist...oder die Liebe, die Rücksicht nimmt.

Die eine Liebe hat Angst. Und Angst ist eng. Die andere Liebe ist offen & weit.

Doch auch Angst erscheint in der großen Offenheit der Liebe.

Lasse zu, dass alles in der Liebe erscheinen kann. Mit aller Kraft und unbedingter Intensität: Angst, Trauer, Hass, Lust, Spaß, Vorstellungen, Urteile, Götter, Geister und...was auch immer eben jetzt spontan erscheint. In diesem Augenblick.

Lasse nicht zu, dass es Orte und Räume gibt, die ausserhalb der Liebe sind. Übernimm die Verantwortung und bringe selbst entlegene Räume in diese Offenheit & Weite der Liebe hinein.

Lege alles was Du fühlen und denken kannst in diese Offenheit & Weite der Liebe. Dringe bis zu Deinem innersten Kern vor. Dort wo seit unzählbaren Momenten alle Freude und alle Lust und alle Angst der Welt geballt ist.

Lege auch diesen Kern Deiner Persönlichkeit in die Offenheit und Weite der Liebe. Alles was wir das Gute nennen. Alles was wir das Böse nennen. Alles was rein, alles was unrein ist.
Und dann erlebe, wie sich diese Dinge in der Offenheit & Weite der Liebe verwandeln. Zu etwas, was jenseits von Worten ist - und doch genau hier, wo Du jetzt liest.
LOVE
Bringe, wie es Baruch Ignatius Rabinowitz sagt, „ALLES auf dem Altar der Liebe“ und dann: Stirb in diesen Dingen....und Erwache als die Liebe selbst.
Foto: Stefan Stark

Sonntag, 10. Januar 2010

1.ÖKOMED Po"tt"cast zur RUHR.2010

Wir sind glücklich zurück von der Guerilla-Meditation zur Eröffnung der RUHR.2010. Hier der erste ÖKOMED-Podcast - made by Stefan Stark. Die stille und authentische Würde aller spirituellen Aktivisten hat mich sehr berührt. Aus ganzem Herzen mein tiefer Respekt & Dank an alle Freunde, Brüder und Schwestern der großen STILLE. Die Party ist vorbei - die Stille bleibt. GLÜCK AUF!

Wer zur Eröffnung in Pact Zollverein ging,
der kam durch die STILLE.

Viel Spaß!

Eine RUHR.2010-Aktion von ÖKOMED und POTTFICTION. Mit freundlicher Unterstützung von: Stiftung Mercator.

Freitag, 8. Januar 2010

Augen zu. Mund zu. Glück auf: RUHR2010

Köln, Berlin, Wien, Frankfurt, Bremen, Bethlehem, Jerusalem...das sind ein paar der Städte, in denen sich Menschen zur öffentlichen Stille getroffen haben – zur Guerilla-Meditation. Zuletzt in Gelsenkirchen. Doch jetzt steht die vermutlich größte, öffentliche Meditation in Deutschland an: Zur Eröffnung der Ruhr2010 – mitten auf der Eröffnungsfeier in Essen.

Das Ruhrgebiet wird an diesem Tag der lauteste, bunteste, glücklichste und bewegenste Ort in Deutschland sein. Wir freuen und begrüßen das aus ganzem Herzen.

Mitten auf der größten Party Deutschlands werden wir für einige Minuten still sein. Still und regungslos.

Jenseits vom äusseren Feuerwerk, gibt es ein inneres Herzwerk.

Wir werden Stille und Innerlichkeit repräsentieren. Denn wir glauben: Jenseits von allen kulturellen Leistungen, gibt es eine immerwährende innere Würde des Menschen, die Ihren schönsten Ausdruck in der Meditation hat.

Wir glauben: Das Potential für alle kulturellen Leistungen kommt aus dem innersten Raum des Menschen. Aus der Mitte der Menschheit.

Diesen Raum wollen wir mit unserer öffentlichen Meditation feiern, würdigen, bewusst machen und repräsentieren.

Dieser Raum ist jenseits von falsch und richtig. Jenseits von Geschlechtern und jenseits von Religionen und Nationen – darum laden wir Dich und alle Menschen ein mitzumachen.

Meditieren ist die einfachste Sache der Welt:
Mund zu. Augen zu. Glück auf.


Wenn Du Lust hast, für einige Minuten Dein Herz weit für diesen Moment weit zu öffnen, für alle Geräusche, alle Bewegungen und alle Menschen, dann sei dabei und lade Deine Freunde ein.

Sei mit uns die Stille, in der alle Geräusche, Bewegungen und Menschen erscheinen, verweilen und wieder verschwinden.

Lass Dich auf das Abenteuer ein, die Stille dahin zu bringen, wo der meiste Lärm ist. Erlebe das einzigartige Gefühl, wirklich still zu sein.

Mit geschlossenen Augen einfach DA SEIN....wenn um Dich herum die größte Party Deutschlands gefeiert wird.

Treffpunkt & Intro: Am Haupteingang
pact Zollverein Essen (Link mit Wegbeschreibung).

Zeitpunkt: Samstag, 9. Januar 2010 um 18:00 Uhr

Dort gibt es alle weiteren Infos. Die Aktion wird im Gebäude stattfinden. Der Eintritt ist frei.
Kämpft Euch durch den Schnee in die Stille. Jeder Mensch zählt. Jede Minute zählt.

Eine Aktion von ÖKOMED und
POTTFICTION. Im Rahmen der RUHR1020. Mit freundlicher Unterstützung von: Stiftung Mercator.

Public meditation – Because your life is a public event.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Risiko

Wenn man Psychologen fragt, warum Menschen sich nicht trauen ein Risiko einzugehen, dann sagt die Psychologie, dass dies mit Vaterlosigkeit zu tun hat. Wenn die nachhaltige, tiefe und positive Vatererfahrung fehlt, dann fehlt die innere Instanz, die einem den Rücken frei hält, das Rückgrat stärkt – dann fehlt vor allem eines: Risikobereitschaft.

Wenn eine Vaterfigur fehlt, wenn wir nicht auf die innere Stimme des Rückrates hören können, oder diese Stimme schwach ist, dann brauchen wir ein Rückgratersatz.

Dieser Rückgratersatz ist dann oft eine Ideologie, eine Weltanschauung, eine Norm oder jemand, den man immer dann zitieren kann, wenn einem die eigenen Worte als zu riskant erscheinen.

Aber es gibt kein Ersatz für das eigene Rückgrat. Es gibt kein Ersatz für den eigenen Vater. Es gibt keinen Ersatz für die Anerkennung, Zuwendung und Sicherheit, den uns der Vater geben kann.

Die Strategie keinen Fehler machen zu wollen (um die Anerkennung nicht zu verlieren), wird scheitern. Es ist die Strategie, wirklich alles falsch zu machen. Es ist die Strategie des Revolutionärs, der um Erlaubnis bittet um nicht angreifbar zu sein. Was bleibt vom Revolutionär, der um Erlaubnis für seine Revolution bittet?

Wenn Du die Welt wirklich verändern willst, wenn Du jemand sein möchtest, der die Welt einen Schritt nach vorne bringt, dann darfst Du eines niemals tun: Die Welt um Erlaubnis fragen.

Du wirst, sobald Du ein wirkliches Risiko eingehst, Fehler machen – das liegt in der Natur der Sache. In der Natur des Revolutionärs, in der Natur des Fortschritts. Du musst bereit sein, diese Opfer zu bringen – sonst bleibt die Welt wie sie ist und somit bleibt sie eben nicht. No risk - no fun.

Diejenigen, die sich auf der sichern Seite wähnen, werden auf Deine Fehler warten. Auf Deinen nächsten falschen Schritt. Auf Deinen Sturz. Deine blutige Nase. Dann werden sie Dich kritisieren. Das ist so. So ist Risiko.

Das größte Risiko besteht darin, den Schritt in das Nichts zu tun. Es ist der einzige Schritt, der nicht auf die Wege vertraut, sondern darauf, dass die Wege beim dem Gehen entstehen.

Der pfadlose Pfad entsteht dadurch, dass wir ins Nichts gehen.


Alte Menschen berichten erstaunlich übereinstimmend, dass sie risikoreiche Entscheidungen niemals bereuen. Selbst das bereuen sie nicht, was zu eigenem Schmerz geführt hat. Wichtiger sei ihnen eine Erfahrung, die der Mut zum Risiko gebracht habe. Nämlich die, dass es IMMER weiter geht.
Selbst der verkehrteste Schritt kreiert neue Wege, die immer wieder nur in das LEBEN führen. Manche ahnen, dass auch der Weg mit dem Schild „Tod“, ein Weg ins LEBEN ist.

Wenn Du wirkliche Freiheit für Dich und die Welt willst, gibt es keinen anderen Weg, als den des Risikos.

Worauf ich vertraue? Auf NICHTS. NICHTS ist mein Vater.

Mittwoch, 6. Januar 2010

6. Januar

Wenn wir heute das Fest der heiligen drei Könige feiern, dann feiern wir die Weisheit aus dem Morgenland. (Morgenland und Abendland ist hier als universelle Weisheitstradition jenseits von Nationen gemeint) Wir feiern heute eine der beiden großen spirituellen Bewegungen. Es ist die Bewegung, die nicht schaut auf das, was Geschichte und historische Entwicklung ist. Die Weisheit aus dem Morgenland schaut vielmehr auf das, was nicht Geschichte ist.

Man kann sagen, dass das Morgenland unhistorisch auf die Welt schaut. Aber doch „unhistorisch in höchster Vollendung“ (Rudolf Steiner, GA139).

Mit unhistorisch ist das gemeint, was jenseits der Zeit liegt. Jenseits von Denken und Fühlen. Jenseits von Dingen. Das Ewige, was nicht von der Zeit berührt, nicht vom Zeitstrom erfasst und geformt wird oder wurde. Dasjenige, was in natürlichster Weise, stetige, ungeborene, nie gewordene und unsterbliche Gegenwärtigkeit ist.

Darauf schaut das Morgenland – oder besser: Aus dieser zeitlosen Perspektive heraus schaut das Morgenland.

Das gerade Gegenteil ist der abendländische Blick. Er schaut auf das was wird, war und ist – auf die Historie.
Er verbindet sich mit der Zeit, bekennt sich zu dem, was sich durch die Zeit entwickelt, setzt sich ganz der Lebendigkeit und den Gesetzen der Zeit aus. Er erforscht, formt, leidet, freut und prägt die Zeit, aus der Zeit heraus.

Die Zeit, das ist die große und rätselhafte Verbündete des Abendlandes. Die Zeit ist die Meisterin der Evolution – wir ehren sie ganz zurecht.
„From the perspective of evolution, time is all we’ve got“, wie es Andrew Cohen sagt.

Die Zeit kann man am besten ehren, wenn man sie aus der Zeitlosigkeit heraus würdigt.

Meine Lösung habe ich darin gefunden, dass ich die rasende knappen Zeit, die mir gegeben ist, aus der zeitlosen Ewigkeit heraus gestalte.

Für mich ist heute der Gedanke lebendig (und morgen ist es ein anderer Gedanke) dass ich jeden Tag mit dem Impuls des Morgenlandes beginne. Aus der raumlosen Ewigkeit heraus, in den engen Korridor des Zeitraums hinein – dort, wo die Zeit zur Evolution wird....Aufgang, Tag, Untergang, Nacht, Aufgang, Tag....

Und alles in dem Bewusstsein, dass die Sonne nie aufgeht und nie untergeht – sondern einfach nur ein wunderschönes Karussell bescheint...eines von vielen.

Ich muss lächeln, wenn ich das so erlebe. Ich denke, die Weisen aus dem Morgenland haben etwas mit einem Lächeln zu tun...Das Lächeln das genau weiss, dass selbst die Sonne ein Ende hat...und dann ist das, was nie endet: Kosmische Stille.

Manche finden das beängstigend. Ich liebe es.
Und wer mag kann es so sehen: Rudolf Steiner ist der abendländische Teil jener Seele, deren morgenländischer Teil Jiddu Krishnamurti ist.

Dienstag, 5. Januar 2010

Meditation, Krishnamurti, das Leben und die Freiheit

Das komplizierte an der Meditation ist, dass sie wirklich einfach ist. Eigentlich ist es falsch zu sagen, dass man meditiert. Denn Meditation ist nichts, was man erreichen kann. Meditation kommt zu Dir. Und wenn sie wirklich ganz bei Dir ist, dann ist kein Platz mehr für Jemand. Meditation ist bei Dir – und Du bist dann einfach erlöste Freiheit. Ein Zustand, in dem Deine Mitte bereits jetzt ist.

Der große, große, große Jiddu Krishnamurti (mit dem Anthroposophen demütig Frieden schließen müssen – womit ich hier einen kleinen Beitrag leisten will) sagt es so:
STILLE
Meditation ist ein Zustand des Geistes, der keinen Begriff und keine Formel kennt und daher völlige Freiheit ist. Nur zu einem solchen Geist kommt Glückseligkeit - ungesucht und uneingeladen.“

Das Leben ist bunt, komplex, kompliziert und nicht zu verstehen – niemals. Das ist gerade das Lebendige am Leben, dass es immer verworrener, mystischer und komplizierter wird, je mehr wir von ihm verstanden haben. Man könnte sagen, dass ist das wunderbare Versteckspiel, was das Leben mit uns spielt.

Wenn Du ein Mensch mit einem besonders ausgeprägten maskulinen Gravitationspunkt bist (in der Regel – aber nicht immer – sind das Männer), dann musst Du Dir nur vor Augen halten, dass das Leben wie das Feminine ist (also in der Regel - aber nicht immer - wie eine Frau)

Das Feminine will nicht verstanden werden es kann nicht verstanden werden, es wird nie verstanden werden.

Aber das Feminine will geliebt werden. Es will die Präsenz des Maskulinen fühlen. Von seine aufrichtigen, tiefen und starken Präsenz durchdrungen und erfüllt werden. Seine Integrität, seine Kraft, seine Sicherheit und seinen Mut dieses Feminine so zu nehmen wie es ist - das will das Feminine erleben.
Das Feminine ist wie das Leben. Ein wunderschönes Mysterium. Und das bleibt es auch.

Das Leben will genommen, gesurft, gelebt und geliebt werden. Das Maskuline will zu oft dieses Leben analysieren, auswendig lernen und immer wieder reparieren. Stell Dir vor das Leben sei eine Frau – will eine Frau analysiert, auswendig gelernt und immer wieder repariert werden?

Nein – sie will sich dem Maskulinen öffnen und hingeben. Ich glaube, dass wir Männer gar nicht ahnen, wie sehr unsere Frauen zur Hingabe fähig sind. Wie sehr sich das Feminine nach der unerschütterlichen Ruhe, der Präsenz, der Kraft und dem ausufernden Frieden des Maskulinen sehnt. (Und manchmal sind es unsere Frauen, die in dieser maskulinen Präsenz stehen und wir Männer dürfen uns öffnen und weinend in ihren Armen dahinfließen - nehmen wir es wie das Leben: Als ein kreatives Spiel, aber seien wir ehrlich und gestehen uns ein, dass fast jeder von uns einen Schwerpunkt hat, dessen Leugnung ihn und alle anderen ins Unglück stürzt).

Dieses Leben kann nicht geordnet werden und nicht zu einer höheren Ordnung finden, indem wir irgendetwas machen.

Das Leben findet aber zu seiner wahren Ordnung, wenn wir NICHTS tun. Das bedeutet nicht Tatenlosigkeit - im Gegenteil. Aber es bedeutet Handeln aus Präsenz und nicht aus Konzept. Sprechen aus Stille.
ruhe
Meditation ist diese Stille. Meditation alleine – stilles Dasein, wache Präsenz und einfache Aufrichtigkeit – das lässt eine göttliche Ordnung im Chaos entstehen.

„Ordnung ist kein Einteilen, Planen und Gestalten. Ordnung kommt aus einem Geist, der nicht mit Gedankengut vollgestopft ist. Wenn das Denken schweigt, ist eine Leere da, die Ordnung ist." (Krishnamurti)

Aus dieser neuen Ordnung, aus dieser neuen und immer gleichen Freiheit heraus, kann das Leben wieder seine kreative und segnende Wirkung entfalten. Eine Philosophie aus Freiheit heraus.

Freiheit ist keine Philosophie. Freiheit ist ein unsagbarer, natürlicher und einfacher Zustand, aus dem heraus sich eine Philosophie entwickeln kann.

Montag, 4. Januar 2010

Endlose Kühnheit

Ich erzähle jetzt von dem schockierernsten Moment meines Lebens: Es war der Moment, als ich in voller Radikalität erkannte, dass mein ganzes Leben ein rein mechanischer Prozess war. Nichts von dem, was ich für meine ganz persönlichen und einmaligen Gefühle und Gedanken gehalten hatte, war persönlich. Es war einfach nur eine Art Programm nach dem ich handelte.

Das teuflische dieses Programms besteht darin, dass es uns permanent vorgaukelt, dass unsere Gefühle und Gedanken etwas besonderes und aussergewöhnliches und ganz persönliches sind.

Sie sind es nicht. Persönliche Aspekte sind letztlich unpersönlich. Wer das in seiner ganzen Dramatik erkennt – dauerhaft erkennt – der steigt aus dem Rad des Wirrwarrs, der Egozentrik und des Getrenntseins aus. Er erkennt sich als den Irrtum selbst, wie es Steiner nennt. Er erwacht aus dem Traum und findet sich in der einfachen und klaren Wachheit des einen Selbst wieder.

Dann hört auch das Suchen auf. Dieses Suchen nach dem höheren Selbst, dem Christus oder dem wahren Ich. Es ist vor allem das Ende dieser gut gepflegten und dennoch ängstlichen Beziehung zwischen dem kleinen ich und dem großen Ich.

Das Ende dieser Beziehung besteht letztlich darin festzustellen, dass es keine solche Beziehung gibt. Es hat nie jemand gegeben der sucht und niemand jemand gegeben, der gefunden werden kann.
kühn
Jeder der sagt, er habe das höhere Selbst, den Christus oder das wahre Ich gefunden unterliegt dem Irrtum der Getrenntheit. Er träumt von einer Beziehung zwischen seinem Wesen und einem höheren Wesen. Solche Beziehungen gibt es nicht.

Es gibt im letzten Sinne überhaupt keine Beziehungen. Es gibt letztlich nur einen einzigen Körper, ein einzigen Geist, eine einzige Seele.

Wer das erkennt, verliert buchstäblich alles und gewinnt NICHTS.
KÜHN
Und der Grund warum die meissten Menschen vor dem Erwachen Angst haben und nicht in den Ozean der Freiheit eintauchen, ist dieser: Sie wissen ganz genau, dass sie alles verlieren und NICHTS gewinnen.

Wer das erkennen will, muss entweder todesmutig sein, oder zutiefst glücklich.
kühn
Es gibt keinen anderen Grund um zu springen. Entwder Du bist todesmutig, oder zutiefst glücklich. Oder alles bleibt mehr oder weniger wie es ist. Es bleibt sosolala. Aber niemals absolut, niemals herausragend, niemals großartig und niemals wirklich wach. Niemals klar, still, rein und ewig leuchtend.
Die Mechanik endet, das Leben beginnt.
KÜHN
Wer springen will muss todesmutig sein. Oder zutiefst glücklich.
KÜHN
Beides braucht endlose Kühnheit. Oder restloses Vertrauen.

Sonntag, 3. Januar 2010

Das Gesicht der Evolution

Mein Name ist Sebastian Gronbach, ich bin spiritueller Dienstleister und auf dem Foto rechts kannst Du mein Gesicht sehen. Manche Menschen finden mich völlig doof, andere Menschen finden mich richtig gut. Da geht es mir wie Dir und jedem Menschen. Der Unterschied ist vielleicht, dass ich jeden Tag von Menschen lese oder höre, die mich entweder doof oder gut finden. Sie sagen es mir öffentlich – fast jeden Tag.

Vor allem dadurch, dass mir Menschen nahezu jeden Tag sagen, wie unsäglich doof, lächerlich oder gefährlich ich sei, habe ich immerzu das Gefühl, dass mir etwas fehlt.

Auch da geht es mir wie Dir und allen Menschen. Jeder hat das Gefühl, dass ihm etwas fehlt. Aber genau wie jeder Mensch, habe ich meiner Seele einmal ein Versprechen gegeben – eigentlich ist es der Grund unserer aller Geburten gewesen: Wir haben versprochen, durch dieses Gefühl des Mangels hindurch zu lieben.

Das Versprechen, was ich meiner Seele gegeben habe – und ich behaupte, dass auch Du Deiner Seele dieses Versprechen gegeben hast – gibt meiner Seele das Recht, mich jeden Moment dieses zu Fragen:

Verschließt Du Dich und wartest auf bessere Zeiten? Oder kannst Du dem Leben Dein offenes Herz darbieten? Kannst Du es auch, wenn Du Deinen eigenen Liebesmangel spürst, wenn Du fühlst, dass Dir etwas fehlt?

Mein Gesicht erscheint möglicherweise öffentlicher als Deines. Aber in Wirklichkeit täuscht das. In Wirklichkeit stehen wir alle im Rampenlicht.

Wir stehen im Rampenlicht der Evolution. Und wir stehen – das mag uns passen oder nicht – ganz vorne.

Andrew Cohen, sagt es (frei von mir übersetzt) auf seine inspirierende Weise: "Dein Leben — das Leben, welches Du genau jetzt lebst – ist ein öffentliches Ereignis, ein evolutionäres Ereignis, ein Ereignis das etwas signifikantes über das Leben an sich aussagt. Die Art, wie Du als Individuum bist, ist Dein persönlicher Beitrag um der Evolution hier und jetzt ein Gesicht zu geben.“

Wenn du also in Dein eigenes Gesicht schaust, dann siehst du ein einmaliges Gesicht der Evolution. Und Du bist ein öffentliches Gesicht der Evolution. Es ist Dir unmöglich, Dich zu verstecken. Das Gesicht der Evolution schaut uns in allem an. Du hast jetzt dieses Gesicht und in einiger Zeit, lässt Du dein Gesicht fallen und kehrst in das eine Gesicht Gottes zurück.

Dein Gesicht ist – wie meines und das aller Menschen – mangelhaft und unperfekt. Ja, ich bin sehr dafür, dass wir alles tun, um ein würdiges, starkes, ideenreiches, rebellisches und heilendes gutes Gesicht der Evolution zu sein – was auch immer Du zu sein wünschst, sei es in immer besserer Weise.
Mache der Evolution mit Deinem Gesicht alle Ehre – und vergiss das Lächeln nicht. Das ist das Eine. Das Werk des Gesichtes.

Das Andere ist das Herzwerk. Das Andere ist, dass wir durch alle immer vorhandenen Mängel, Fehler und Albernheiten hindurch, immer das Versprechen unserer Seele hören und verwirklichen. Denn auch davor können wir uns nicht verstecken. Denn wohin Du auch gehst, Deine Seele ist bei Dir und singt diese Lied: „Ich kann Dich sehen“.


Und sie fragt Dich: Verschließt Du Dich und wartest auf bessere Zeiten? Oder kannst Du dem Leben Dein offenes Herz darbieten? Kannst Du es auch, wenn Du Deinen eigenen Liebesmangel spürst, wenn Du fühlst, dass Dir etwas fehlt?